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Carport selber bauen

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Was in früheren Zeiten unter dem Terminus des Stellplatzes oder der Freiluftgarage firmierte, wird auf neudeutsch inzwischen als Carport bezeichnet. Da es sich dabei um eine relativ simpel zu errichtende Konstruktion handelt, bietet mittlerweile jeder größere Baumarkt neben fertigen Produkten auch den ein oder anderen Bausatz für begabte Heimwerker an. Wer seinem Auto jedoch eine völlig individuell gestaltete Heimstatt errichten möchte, muss da schon etwas kreativer bauen. Wie Sie Ihr Carport selber bauen, erfahren Sie hier.

Die ersten Planungen

Wie bei handwerklichen Tätigkeiten üblich, gilt der erste Schritt der Arbeitsplanung. So sind bei der der Wahl der Dachform (Flach-, Sattel- oder Runddach) z. B. die Schneelast sowie der Einbau einer Regenrinne zu berücksichtigen. Ein weiterer Punkt betrifft das Baumaterial. So werden Carports in der Regel aus Holz, seltener aus Metall gefertigt. Letzten Endes gilt es natürlich noch die Größe zu bedenken. Je nachdem, ob man ein Auto oder gleich mehrere unterzustellen gedenkt, benötigt man die Standardausführung oder direkt einen Doppelcarport. Um es nicht allzu kompliziert zu gestalten, beschreibt unsere Do-it-yourself-Bauanleitung den Bau eines Einzelcarports aus Holz mit dem Maßen 4,80 x 2,80 m.

Gerüst für ein Carport
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Checkliste für die Vorbereitung

Bauteile und Hilfsmittel

  • mindestens zwei Arbeitsböcke
  • persönliche Schutzausrüstung (Gehörschutz, Handschuhe, Schutzbrille und -helm)
  • Standleiter
  • 6 Kanthölzer 10 x 10 cm mit 2,20 m Länge
  • 4 Kanthölzer 5 x 10 cm mit 2,50 m Länge
  • 4 Bau- oder Holzdielen 20 x 2 cm mit 2 m Länge
  • 10 Bau- oder Holzdielen 10 x 2 cm mit 3 m Länge
  • 14 -16 Verlegeplatten 62,5 x 205 cm mit 15 mm Stärke, ungeschliffen
  • 6 Stahl-H-Anker 101 x 600 mm, feuerverzinkt

Werkzeug und Zubehör

  • 12 Edelstahl-Sechskantschrauben M10 120 mm lang
  • 12 Edelstahl-Sechskantmuttern M10
  • 300 Holz-Senkkopfschrauben 4 x 20 mm
  • 400 Edelstahl-Nägel 3 x 80 mm
  • 12 verzinkte Sparren-Pfettenanker 170 x 32 x 32 mm
  • 40 verzinkte Balkenwinkel 80 x 40 x 30 mm
  • 8 Dachbahnen KSK mit 5 m Länge, selbstklebend und wasserdicht
  • Schmirgelpapier mit 100, 200 und 400er Körnung
  • Akkuschrauber
  • Hammer
  • 4-6 Schraubzwingen
  • Kneifzange
  • 10 mm Schraubenschlüssel (2 Mal)
  • Kapp/Gehrungssäge
  • Kreissäge
  • Holzbohrer-Set (2-10 mm)
  • Wasserwaage
  • Teppich-Messer
  • Bleistift
  • Lineal

Für den Fundamentbau

  • 20 – 25 40kg-Säcke Estrich (Fertig-Trockenmischung) für innen und außen
  • 2 Rollen Armierungs- bzw. Estrichgewebe mit 10 m Länge
  • Schaufel und Spaten
  • Maurerkelle
  • Mörtelwanne
  • Bohrmaschine mit Rührstab
  • Schubkarre
  • 6 Holzpflöcke
  • Richtschnur
  • Rührstab, Stock oder ein alter Pinsel zum verdichten

Fundamentale Arbeitsschritte

Sobald der individuelle Bausatz zusammengetragen ist, können die Arbeiten am Fundament starten. Diese können sowohl als Platten-, Streifen- oder Punktfundament ausgeführt werden In diesem Fall kommt ein Punktfundament zum Einsatz.

Punktfundament
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  1. Der Einzelcarport wird von insgesamt 6 senkrechten Pfosten getragen werden, deren Positionen sich an den vier Eckpunkten des Bauwerks befinden wird. Zwei weitere Pfosten werden mittig an dessen Längsseite angebracht. Messen sie die entsprechenden Punkte aus und stecken die Position der Fundamente mithilfe der Holzpflöcke ab. Gewiefte Heimwerker beginnen damit an der Außenseite und arbeiten sich unter Zuhilfenahme der Richtschnur nach innen vor.
  2. Mit dem Spaten stechen Sie anschließend ein Quadrat mit der Kantenlänge von 30 Zentimetern aus. Achten Sie darauf, den Mutterboden aufzubewahren, falls Sie den Carport auf einer Rasenfläche bauen möchten.

Pro Pfosten ist ein 60 – 80 Zentimeter tiefes Loch auszuheben, weil der Boden in unseren Breitengraden in der Regel nur bis zu dieser Tiefe gefriert.

  1. Nun wird der Beton angemischt. Wenn man seinen Carport selber bauen möchte, empfiehlt es sich dabei grundsätzlich Estrichbeton zu verwenden, da er deutlich schneller abbindet und belastbarer als normaler Beton daherkommt. Mischen Sie die Säcke im angegebenen Mischverhältnis mit Wasser und rühren die Masse manuell oder mithilfe der Bohrmaschine gründlich durch.
  2. Nun werden die einzelnen Löcher befüllt. Bei den angegebenen Abmessungen fasst jedes Loch etwa 72 – 75 Liter Beton. Hierbei ist im Abstand von 15 Zentimetern ein 25 x 25 cm großes Stück Armierungsgewebe auf den Beton aufzutragen, das Rissen vorbeugt.
Frisch asphaltierte Abstellfläche
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Sobald das Loch vollständig gefüllt ist, wird dort einer der Stahl-H-Anker implementiert. Dabei muss er knapp 25 Zentimeter tief in den Beton gedrückt werden. Stützen Sie ihn ab, damit er in seiner Position verbleibt. Richten Sie ihn zudem bitte mithilfe der Richtschnur und der Wasserwaage exakt aus.

Sobald der Anker abgestützt und ausgerichtet wurde, ist der Beton zu verdichten.

Dazu stechen Sie bitte mit einem Besenstiel oder länglichen Stock einige Male in den frischen Beton. So schließen sich die Hohlräume, wodurch der Carport an Stabilität gewinnt.

  1. Der Beton wird nach 48 – 72 Stunden vollkommen ausgehärtet sein. Die Hilfsabstützungen können nun entfernt und der anfangs abgetragene Mutterboden wiedereingesetzt werden.

Das Holz, aus dem die Träume sind

Der zweite Teil unserer Bauanleitung befasst schließlich mit den einzelnen Schritten, die notwendig sind, um seinen Carport selber zu bauen.

  1. Dafür werden zunächst die Pfosten befestigt. Dabei ist darauf zu achten, dass sie nicht direkt auf der Mittelplatte des Stahl-H-Ankers aufliegen. Erfahrene Heimwerker lassen einen Spalt von 5 mm, wenn sie ihren Carport aus Holz errichten. So wird verhindert, dass die Pfosten mit Regenwasser in Kontakt kommen und zu faulen beginnen.

Nachdem der Pfosten mit der Wasserwaage ausgerichtet und per Schraubzwinge gesichert wurde, müssen die Befestigungsschrauben gesetzt werden. Bohren Sie dazu bitte mit einem 10 mm Holzbohrer durch das Holz und die Bohrlöcher des Ankers. Der Pfosten ist nun mit den Sechskantschrauben und Muttern am Anker zu befestigen. Dieser Schritt ist an allen 6 Pfosten zu wiederholen.

  1. HOLZBOHRER- UND BIT-SET BOSCH 35 TEILIGNun sind die Längsbalken dran. Dazu sind die 5 x 10 cm Kanthölzer bündig an den Außenkanten der Pfosten zu platzieren. Sie werden mithilfe der Sparren-Pfettenanker (durchbohrte Metallplatten mit 90°-Winkel) sowie der Senkkopfschrauben befestigt.
  2. Als nächstes sind die Querlatten dran, auf denen später die Dachbahnen angebracht werden. Dabei kommen die 10 x 2 cm Baudielen zum Einsatz. Legen Sie die Dielen im Abstand von 50 Zentimetern auf die Längsbalken und richten sie exakt aus. Anschließend sind die Baudielen und Längsbalken mittels der Balkenwinkel und Senkkopfschrauben miteinander zu verschrauben.
  3. Nun nageln Sie die 20 x 2 cm Deckleisten davor. Daran werden später die Dachbahnen befestigt. Starten Sie in der Mitte der Konstruktion und nageln jeweils zwei Dielen an die Längsseiten.
  4. Der vorletzte Schritt betrifft die Verlegeplatten, die das eigentliche Dach bilden. Starten Sie dazu an einer Ecke des Carports, indem Sie die Platte sauber ausrichten und aufs Dachgerüst nageln. Hierbei darf mit den Nägeln durchaus großzügig umgegangen werden. (pro Platte sollten mindestens 30 Nägel eingeschlagen werden) Sollten die Dielen an der ein oder anderen Stelle etwas überstehen, sind sie mit der Kreissäge vorsichtig abzusägen.
  5. Wenn man den Carport selber bauen möchte, sind abschließend noch die Dachbahnen anzubringen. Entfernen Sie bitte deren Schutzschicht und beginnen an einer der Ecken damit, sie über die volle Breite der Konstruktion abzurollen. Dabei entstehende Überstande lassen sich mit dem Teppichmesser problemlos entfernen.

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Wiederholen Sie diesen Vorgang, bis das komplette Dach abgedeckt ist. Wer seinen Carport selber bauen möchte, muss dabei zwingend darauf achten, dass die Bahnen nicht bündig verlegt werden. Sie müssen sich stattdessen um etwa 5 Zentimeter überlappen, um zu gewährleisten, dass das Auto bei Regenfällen später auch wirklich trocken bleibt.

Um die Dachbahnen vollkommen fest zu montieren, sind sie nun noch um die Deckleisten zu ziehen und anzukleben.

Carport an der Hauswand
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Der Carport ist nun einsatzbereit und bietet Ihrem Auto beim nächsten Regenschauer einen sicheren Zufluchtsort. Auch wenn es der Begriff suggerieren mag, kann man diese Bauanleitung jedoch nicht einfach mit zwei multiplizieren, um einen Doppelcarport zu bauen. So sind dafür aus statischen Gründen zusätzliche Decken- und Stützbalken vonnöten.

Tipps & Tricks

Verwenden Sie grundsätzlich nur aus Edelstahl oder verzinktem Stahl hergestellte Nägel und Schrauben, wenn Sie Ihren Carport aus Holz bauen. Sie sind schonender für die Umwelt und rostfrei.

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Nach Abschluss der Bauarbeiten empfiehlt es sich, das Dach mit einer Folie auf Bitumen-Basis abzudecken. Dabei handelt es sich um ein teerhaltiges, wasserabweisendes Material, das bevorzugt im Dachbau verwendet wird.

Außerdem sollte an den Längsseiten jeweils eine Regenrinne angebracht werden. Das anfallende Regenwasser lässt sich in eine Regentonne ableiten und zur Bewässerung des Gartens nutzen.

Säubern Sie den Carport regelmäßig von Schmutz und Insekten. So besitzen manche Insektenarten die Angewohnheit, sich im Holz niederzulassen und es langsam zu zersetzen.

Erfahrene Heimwerker streichen ihren Carport aus Holz zudem mit wetterfester Lasur oder Außenraumlack. Das erhöht seine Haltbarkeit und sollte alle zwei Jahre wiederholt werden.

Auch unter dem Dach sollte das Holz mit Schutzmitteln geschützt werden
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Beim Kauf der Verlegeplatten ist darauf zu achten, dass sie den Standard OSB-3 erfüllen. Dieser Typ wurde speziell für den feuchten Außenbereich entwickelt.

Falls Sie in ihrem Einzelcarport einen elektrischen Anschluss (etwa für einen Bewegungsmelder, Steckdosen oder zum Auto waschen) benötigen, ist dieser bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen. Schließlich wäre es mit erheblich mehr Arbeitsaufwand verbunden, die dafür nötigen Kabel unter einem bereits fertiggestellten Carport zu verlegen.

Säubern Sie die Fläche, an der Sie Ihren Carport aus Holz bauen möchten, vor dem Beginn der Bauarbeiten sehr gründlich. Weil die Bauarbeiten im Freien stattfinden, ist auf das Wetter zu achten. Schließlich stellen Bautätigkeiten aufgrund zahlreicher offen herumliegender elektrischer Anschlüsse bei Regen ein nicht unerhebliches Sicherheitsrisiko dar.