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© bofotolux / Fotolia.com
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Elektroinstallation selbst machen

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Die Elektroinstallation ist eine der schwierigsten und verantwortungsvollsten Tätigkeiten auf der Baustelle. Unfachmännisch ausgeführte elektrische Arbeiten können zu Bränden und lebensgefährlichen Stromschlägen führen. Die meisten Tätigkeiten in diesem Bereich sind deswegen ausgebildeten Elektrofachkräften vorbehalten. Allerdings dürfen Hausbauer einige einfachere Tätigkeiten in Eigenleistung ausführen und z. B. die Stromkabel selbst verlegen. In diesem Artikel zeigen wir, worauf man dabei achten muss.

Serienschalter Novaclip 10 A 250 VKabelverlegung optimal planen

Bevor es an das eigentliche Verlegen geht, muss die Elektroinstallation geplant werden. Dazu muss man ermitteln, an welcher Position Steckdosen, Schalter und Lampen angebracht werden sollen. Lichtschalter werden in der Regel neben Türen montiert. Bei größeren Räumen oder Durchgängen (z. B. bei Fluren oder Zimmern, die zu anderen Räumen führen) stellt sich allerdings die Frage, ob ein Schalter ausreicht. Oft ist eine Wechselschaltung sinnvoll, deren Schalter neben allen Türen des Raumes angebracht sind.

Beleuchtung

RIDI Deckenleuchte WL 136 PRT-EVG 1xT26 36 WDie Planung der Beleuchtung ist ein wichtiger Teil der Elektroinstallation aber ähnlich simpel. Eine Deckenlampe pro Raum genügt fast immer. Bei größeren Räumen sowie bei besonderem Lichtbedarf (z. B. in der Küche oder an einem Waschbecken) kann es allerdings Sinn machen, die Beleuchtung durch Wandleuchten zu ergänzen. Im Vergleich zu nachträglich aufgestellten Lampen haben diese den erheblichen Vorteil, dass sie sich ohne weiteres mit dem Lichtschalter schalten lassen. Es ist deswegen besser, überzählige Anschlüsse vorzusehen, als potenziell notwendige Leitungen einzusparen.

Perilex-UP-Steckdose 3-polig weißSteckdosen

Die Steckdosen sind vor allem an denjenigen Stellen einzuplanen, an denen später besonders viele elektrische Geräte angeschlossen werden sollen. Im Wohn- oder Arbeitszimmer wäre das der Schreibtisch, im Schlafzimmer sind Steckdosen neben dem Bett zweckmäßig. Allerdings sollten bei der Elektroinstallation auch an anderen Stellen über den Raum verteilt Steckdosen angebracht werden. Dadurch lassen sich tragbare Elektrogeräte (z. B. Staubsauger oder Bügeleisen) anschließen, außerdem wird das Umstellen stationärer Geräte (z. B. PC oder Fernseher) ermöglicht. In der Küche werden die Steckdosen normalerweise recht hoch angebracht (1050 mm). Für einige elektrische Geräte in der Küche werden Steckdosen in besonderer Höhe vorgesehen – z. B. innerhalb des Spülunterschranks für Spülmaschinen und oberhalb von Hängeschränken für Dunstabzugshauben.

Leitungen sicher selbst verlegen

Anklemmleitung 5x2,5mm² 3,0m weißFür die Verlegung von Kabeln in Wänden, Böden und Decken sind standardisierte Installationszonen festgelegt. In Wänden darf man ausschließlich waagerecht und senkrecht Stromkabel ziehen, während in Böden und Decken auch eine Verlegung auf kürzestem Weg (also auch diagonal) zulässig ist. Wandleitungen müssen 15 – 45 cm (bevorzugt 30) vom fertigen Boden oder von der Decke entfernt verlegt werden. Zu Ecken, Fenstern, Türen und anderen Ausschnitten ist ein Abstand von 100 – 300 mm (bevorzugt 150) einzuhalten. Elemente der Elektroinstallation, die außerhalb dieser Zonen liegen (z. B. Lichtschalter, die in der Regel weiter über dem Boden angebracht werden), sind mittels vertikaler Stichleitung von einer horizontal verlaufenden Installationszone aus anzuschließen.

Steckdosen werden in der Regel in 300 mm Höhe angebracht, da sich diese Stichleitung dadurch einsparen lässt. In Räumen, die über Arbeitsplatten verfügen (z. B. Küche oder Werkstatt), gibt es noch eine mittlere horizontale Installationszone. Diese liegt 100 – 130 cm (bevorzugt 105) über dem Boden. An jeder Abzweigung muss außerdem eine Verteilerdose eingeplant werden.

Perilex-AP-Steckdose Weiß 3-poligDiese Regeln für eine sichere Elektroinstallation sind keineswegs willkürlich aufgestellt worden, sondern dienen vor allem dem Schutz der Leitung vor versehentlichem Anbohren.

Bei Einhaltung der Zonen lassen sich unsichtbare Stromleitungen senkrecht und waagerecht von sichtbaren Elementen wie Steckdosen ausgehend verfolgen. Außerdem vermeidet man dadurch Kollisionen mit Installationszonen für andere Arten von Leitungen (z. B. Gas und Wasser).

Nachdem die Planung abgeschlossen ist, sollte man sie von einem Elektriker abnehmen lassen. Dieser kann nicht nur Fehler aufzeigen, sondern auch bei der Wahl der richtigen Leitungsart und bei der Planung der Stromkreise beraten. Diese hängen von der Verlegungsart und dem erwarteten Stromverbrauch ab. Außerdem gelten in bestimmten Bereichen (vor allem im Bad) Schutzzonen, deren Einhaltung ebenfalls durch eine Elektrofachkraft beurteilt werden sollte.

Kabel unter Putz – Varianten und Vorgehensweise

Nachdem die Planung der Elektroinstallation abgeschlossen und geprüft ist, kann man die Stromkabel verlegen. In diesem Artikel gehen wir nur auf die Unterputz-Verlegung ein. Die Aufputz-Verlegung ist veraltet und in Neubauten höchstens in Kellerräumen oder auf dem Dachboden denkbar. Installationskanäle oder Doppelböden findet man in der Regel nur in Bürogebäuden vor.

© VRD / Fotolia.com
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Bei der Unterputz-Verlegung gibt es zwei Möglichkeiten: entweder wird die Leitung direkt in den Schlitz gelegt und verspachtelt, oder es wird ein Leerrohr verlegt, das anschließend mit Stromleitungen gefüllt wird. Erstere Variante ist wesentlich einfacher umzusetzen und erfordert kleinere Schlitze, was insbesondere bei dünnen Wänden vorteilhaft ist. Allerdings kann man die Leitungsführung anschließend nicht mehr ändern, ohne die Wand wieder aufzustemmen. Letztere Variante ist deutlich aufwendiger, aber auch zukunftssicherer und lässt einfacher Reparaturen zu.

Kabel verlegen vorbereiten

Die zulässige Schlitztiefe hängt von der Dicke der Mauer ab, sie darf die Standfestigkeit des Gebäudes nicht beeinträchtigen. Bei dünnen tragenden Wänden (17,5 cm) sollten horizontale Schlitze nicht tiefer als 10 mm sein. Zwischen 25 – 30 cm Wanddicke sind 15 mm zulässig. Ist die Wand mehr als 30 cm dick, darf der Schlitz 20 mm tief sein. Ist eine tragende Wand dünner als 17,5 cm, sollten ohne statische Berechnungen überhaupt keine horizontalen Schlitze gesetzt werden. Vertikale Schlitze sind wesentlich unproblematischer und bei tragenden Wänden bereits bei 11,5 cm dicken Mauern zulässig. In nicht tragenden Wänden dürfen schon ab 7 cm Wanddicke Schlitze gesetzt werden.

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Um die Schlitze zu erstellen, sollte eine Mauernutfräse verwendet werden. Diese gibt es auch günstig als Leihgerät im Baumarkt. Es ist zwar möglich, stattdessen einen Winkelschleifer mit passender Trennscheibe zu nutzen. Allerdings verfügen Winkelschleifer nicht über Absaugvorrichtungen, was deren Verwendung als Fräse zu einer extrem staubigen Angelegenheit machen würde. Vor dem eigentlichen Fräsen müssen alle Schlitze und Dosen angezeichnet werden. Anschließend bohrt man mit einer Bohrkrone den Rand der Löcher für die Dosen und meißelt die Löcher aus. Dann wird die Mauernutfräse an den Industriesauger angeschlossen und auf die gewünschte Schlitztiefe eingestellt.

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Beim eigentlichen Fräsen muss sie vorsichtig angesetzt werden, da besonders bei harten Wänden die Gefahr eines Rückschlags besteht. Der Steg zwischen den Nuten wird ebenfalls mit Hammer und Meißel entfernt. In die vorbereiteten Löcher werden die Dosen eingesetzt. Diese verfügen in der Regel über vorgestanzte Löcher für die Leitungen, die vor dem Einsetzen an den benötigten Stellen herausgebrochen werden. Zur Befestigung der Dosen in der Wand verwendet man am besten Elektrikergips. Nachdem dieser getrocknet ist, kann man die Stromkabel verlegen. Sie sollten in regelmäßigen Abständen mit Kabelschellen am Mauerwerk befestigt werden. Sind alle Stromleitungen an ihrem Platz, wird der Schlitz mit Gips oder Spachtel verfüllt.

Kabel verlegen mit Leerrohren

Sollen die Kabel in Leerrohren verlegt werden, ist das Vorgehen ähnlich. Statt den eigentlichen Leitungen werden dann Leerrohre in den Schlitzen verlegt. Das Einziehen der Kabel in die Leerrohre ist allerdings eine Kunst für sich und würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

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Zwar können Sie erhebliche Handwerkerkosten einsparen, wenn Sie Ihre Stromkabel selbst verlegen. Allerdings ist stets zu beachten, dass die meisten Arbeiten an der Elektroinstallation nur durch eine Elektrofachkraft erfolgen dürfen. Außerdem lassen sich Fehler in der Elektroinstallation nur sehr schwer beheben, wenn die Leitungen direkt unter Putz verlegt wurden. Es ist deswegen sehr wichtig, gründlich zu recherchieren und die durchgeführten Arbeiten von einem Elektriker abnehmen zu lassen.

Dies sollte nicht nur am Ende erfolgen, sondern auch nach Abschluss bestimmter Arbeitsschritte – z. B. nach der Planung (die für Statikbetrachtungen auch die vorgesehene Schlitztiefe enthalten sollte) und nachdem die Stromkabel an ihrem Platz sind (aber vor dem Verspachteln, um Fehler noch korrigieren zu können). Der Anschluss der Leitungen im Stromkasten ist ausschließlich Elektrofachkräften vorbehalten.