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Selbst ist der Mann: Fugen kitten wie die Profis

Bei einfachen Mängeln im Haushalt muss nicht immer die Hilfe von Fachpersonal in Anspruch genommen werden. Sie lassen sich meist auch ohne handwerkliche Vorkenntnisse beheben. Die Fugensanierung zählt definitiv zu dieser Kategorie. Was es zu beachten gilt, wenn Sie Fugen kitten möchten, erfahren Sie hier.

Nichts bleibt für die Ewigkeit

Zwei Hauptursachen sind dafür verantwortlich, dass es notwendig wird, die Fugen zu kitten: Aggressive Putzmittel greifen die Versiegelung an. In der Folge bilden sich kleinste Risse, in denen sich Feuchtigkeit und damit auch Schimmel festsetzt. Das schadet zum einen der Gesundheit und kann letztlich auch dazu führen, dass die Fliesen brechen und aufplatzen. Der deutlichste Hinweis auf Schimmelbildung ist eine schwärzliche Verfärbung der Fugen. Dann ist er bereits tiefer in die Wand vorgedrungen und muss umgehend beseitigt werden. Ist der Ton dagegen eher gelblich, deutet das auf einen sehr hohen Kalkgehalt im Leitungswasser hin. Dieses Problem tritt demzufolge überwiegend an den Silikonfugen im Bad auf. Unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild empfehlen erfahrene Fliesenleger aber, die Fugen im Haushalt prophylaktisch alle fünf Jahre zu kitten.

Vergilbte Fugen in der Badewanne
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Fugensanierung in Trockenräumen

Der erste Gedanke gilt dabei der Küche. Hier wird meist langlebiger Fugenmörtel eingesetzt, da die Fliesen seltener in direkten Kontakt mit fließendem Wasser geraten. Die Sanierung einer solchen Zementfuge verlangt daher auch etwas mehr Arbeitseinsatz als flexible Sanitärfugen. So lässt sich das alte Fugenmaterial nur mühsam auskratzen. Deshalb sollte bei diesem Vorhaben der Einsatz spezieller Fugenfräsen ins Auge gefasst werden. Diese erledigen den Job in Minutenschnelle.

Ausfräsen

Bei diesem Arbeitsschritt entsteht viel Staub. Es empfiehlt sich daher, die teuren Küchengeräte im Vorfeld mit Malerfolie abzudecken bzw. abzukleben. Das Schneideblatt ist nun an der Fuge anzusetzen und vorsichtig über das Material zu ziehen, damit die Fliesen nicht beschädigt werden. Wenn beim ersten Durchgang nicht alles entfernt wurde, ist der Vorgang entsprechend oft zu wiederholen. Achten Sie hierbei auf sicheren Stand, insbesondere bei Über-Kopf-Arbeiten. Wenn es notwendig wird, eine größere Fläche zu bearbeiten, ist das Tragen von Atemschutzmasken zu empfehlen.

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Reinigen

Bevor Sie mit dem Fugen kitten starten können, müssen die Schlitze sorgsam gesäubert werden. Kleine Mörtelreste sind mit einem Fugenkratzer zu entfernen. Anschließend ist der gesamte Arbeitsbereich abzusaugen und feucht auszuwischen.

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Fugenmasse anrühren

Während die Arbeitsfläche trocknet, füllen Sie nun Wasser und die Zementmischung in eine Gipsschüssel. Das auf der Packung angegebene Mischverhältnis ist zwingend einzuhalten. Rühren Sie die Masse nun ein paar Minuten lang mit einem Rührstock (es genügt auch ein alter Schraubenzieher) um, bis sie die Konsistenz von Pudding erzielt. Befindet sich eine Bohrmaschine mit Quirlaufsatz im Haus, ist der Vorgang weniger schweißtreibend. Dabei bitte darauf achten, dass die Maschine mit der niedrigsten Umdrehungsfrequenz betrieben wird, da der Mörtel andernfalls zu viel Luft aufnimmt.

Zementfuge kitten

Nehmen Sie mit einem Spachtel nun eine kleine Menge Mörtel auf. Für ungeübte Heimwerker genügt fürs Erste ein Esslöffel pro Durchgang. Arbeiten Sie ihn nun in schrägem Winkel in die Fugen ein, bis sie gleichmäßig aufgefüllt sind.

Mann füllt Fugen mit Mörtel
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Nachbessern

Im Anschluss an die Fugensanierung müssen die Fliesen zeitnah mit einem feuchten Schwamm gesäubert werden, um zu verhindern, dass der Mörtel dort antrocknet. Die Fugenmasse sollte spätestens nach 48 Stunden vollständig ausgehärtet sein. Eventuell übersehene Leerstellen lassen sich dann problemlos mit Haushalts-Acryl auffüllen.

Silikonfugen an Fenstern und im Bad kitten

Das klebrige Naturprodukt auf Silicium-Basis kommt immer dort zum Einsatz, wo Flexibilität und Hygiene im Vordergrund stehen. Acryl werden meist ähnliche Eigenschaften nachgesagt, doch wird es schnell porös und eignet sich somit eher zum Ausbessern als zum Fugen kitten. Silikon kann man dagegen auf allen Untergründen verwenden, es härtet schnell aus und lässt sich im Vorfeld der Fugensanierung mühelos entfernen. So kommt es unter anderem in den Dehnungsfugen an Türrahmen zum Einsatz.

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Auch hierbei ist vor Arbeitsbeginn der Sauberkeit größte Sorgfalt zu widmen. Die Dehnungsfuge darf keinen direkten Bodenkontakt aufweisen und muss daher zunächst mit Schaum- oder Kunststoff ausgelegt werden. Entsprechende Fugendehner helfen. Nehmen Sie nun eine Kartusche zur Hand und füllen die Fuge gleichmäßig mit Silikon auf. Überschüssiges Material ist restlos zu entfernen. Viele Heimwerker verwenden einfach ihren Daumen zum Abziehen. Mit einem speziellen Fugenglätter oder Fugenabzieher aus Kunststoff werden die Ergebnisse qualitativ jedoch wesentlich besser ausfallen. Erfahrene Heimwerker präferieren hierfür den Fugenstar, da damit ein ganzes Sortiment an verschiedenen Innen- und Außenradien zur Verfügung steht.

Die nächste Herausforderung wartet schon an den Fenstern: Hier steht die Bauanschlussfuge zwischen Fensterrahmen und Fassade im Fokus. Der gängigen Montage-Praxis folgend, ist sie mit komprimierten Dichtungsbändern zu füllen. Das Material ist jedoch sehr kostspielig. Alternativ wird daher meist auf Silikon zurückgegriffen, um die Fugen zu kitten. Um den nötigen Dehnungsspielraum zu erhalten, muss hier vor Beginn der Arbeiten eine Füllschnur in der Fuge platziert werden. Das Befüllen erfolgt analog zum Vorgang am Türrahmen. So ist der Dichtstoff auch hier anschließend wieder mit dem Fugenstar zu glätten.

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Fugen kitten im Bad gilt unter Fliesenlegern als Königsdisziplin. Nicht etwa, weil es besonders anstrengend wäre. Nur kann hier viel Schaden angerichtet werden, wenn man das Silikon auf feuchtem Untergrund aufträgt. Das Naturprodukt speichert die Feuchtigkeit und wird meist innerhalb weniger Wochen von Schimmel befallen. Die Arbeitsfläche sollte demnach diesmal besonders vorsichtig gereinigt und das Bad anschließend einige Stunden lang gelüftet werden. Abgesehen von diesem Aspekt bleibt alles wie gehabt: Altes Füllmaterial entfernen, mit der Silikonkartusche ersetzen und dem Fugenabzieher glätten.

Mit Brief und Siegel

Nun ist es fast geschafft. Die neuen Silikonfugen sind abschließend nur noch zu imprägnieren. Das versiegelt die Oberfläche und dient längerer Haltbarkeit sowie der Schimmelvorbeugung. An den Fenstern und Türen ist dieser Arbeitsschritt demnach optional, im Bad jedoch unumgänglich. Dabei ist folgendermaßen vorzugehen:

  1. Die Silikonoberfläche ist mit Seifenwasser und einer speziellen Fugenbürste gründlich zu reinigen. Schon kleinste Verunreinigungen verhindern, dass die Versiegelung haftet. Das gilt ganz besonders für Kalkrückstände.
  2. Das Auftragen des Imprägniermittels ist keine Wissenschaft für sich. Es handelt sich hierbei in der Regel um eine gelartige, in Tuben enthaltene Flüssigkeit. Mit einem alten Fugenglätter lässt sie sich gleichmäßig auftragen. In den Ecken und an weiteren schwer erreichbaren Stellen ist es aber fraglos einfacher, einen kleinen Pinsel zu verwenden. Von Imprägniermitteln zum Aufsprühen ist abzuraten. Diese Produkte dienen zum Versiegeln großflächiger Silikonschichten, sind im Bad also fehl am Platze, wo eher Detailarbeit gefragt ist.
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  3. Solange die Substanz noch flüssig ist, lassen sich Überschüsse mit Wasser ganz einfach abwaschen. Nach 36 Stunden ist die Versiegelung dann vollständig ausgehärtet. Sie muss alle 18 bis 24 Monate erneuert werden. Dazu sind keine multiplen Arbeitsschritte wie beim Fugen kitten vonnöten. So lässt sich die neue Versiegelungsschicht einfach auf die alte auftragen.