Muldenfeuerung oder Rostfeuerung im modernen Kamin

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Als sich die Zentralheizung in deutschen Wohngebäuden etablierte, mutierte der klassische Kaminofen zum Auslaufmodell. Nun startet er im Rahmen der Energiewende als klimaneutrales Heizsystem ein kaum für möglich gehaltenes Comeback. Der Verbraucher muss sich also wieder mit den verschiedenen Brennmaterialien und der Handhabung vertraut machen. Hierzu zählt unter anderem die Frage, ob Muldenfeuerung oder Rostfeuerung besser zur Geltung kommen.

Haben Sie vielleicht Feuer?

Um sich dem Thema allumfassend zu widmen, bedarf es zunächst dem Wissen, welche Vorgänge im Ofen vonstattengehen: Pures Holz gilt als guter Brennstoff, ist aber nicht leicht zu entzünden. Das ist darauf zurückzuführen, dass immer eine gewisse Restfeuchtigkeit im Material verbleibt. Sie muss bei relativ niedrigen Temperaturen um die 100 °C verdampfen.

Die dafür verwendeten Anzündhölzer benötigen ausreichend Sauerstoffzufuhr, was viel Rauch erzeugt.

Wenn die Hitze im Kamin den Wert von 150 °C übersteigt, werden flüchtige Gase freigesetzt. Es handelt sich hierbei überwiegend um Kohlenstoffmonoxid, in dem viel Energie gebunden ist. So heizen Holzöfen den Wohnraum in der Tat zu 70 Prozent mit diesem Gas. Die Flammen brennen während des Vorgangs auch ohne zusätzliche Luftzufuhr sehr heftig und weisen einen hohen Gelbanteil auf.

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Im Anschluss fängt das Holz schließlich selbst Feuer und erhitzt den modernen Kaminofen auf bis zu 1.300 °C. Die Flammen sind nun rötlicher und erheblich kleiner. Wenn in diesem Stadium kein neues Brennmaterial nachgefüllt wird, bleibt lediglich Asche zurück, die noch eine Weile nachglüht.

Heizsystem oder Stufenrakete?

Der Prozess erinnert vage an verschiedene Zündstufen, die in der Raumfahrt benötigt werden. Nur im Verbund gelingt es ihnen, die Erdanziehungskraft zu überwinden. Ähnliches gilt fürs Heizen mit Holzöfen, wenn man den Brennwert möglichst effizient nutzen möchte: Lässt man einen der Schritte aus, wird Potenzial verschwendet. Daher muss der moderne Kaminofen sehr wandlungsfähig gestaltet werden und mehrere Brennstufen beinhalten.

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Das betrifft zunächst die Rostfeuerung, bei der die Luftzufuhr von unten erfolgt. Jeder Ofen benötigt zur Rauchabfuhr einen entsprechenden Abzug, sodass mit dieser Methode ein Luftkanal geschaffen wird, der das Feuer im Kamin richtig auflodern lässt. Wenn es zunehmend gelbliche Töne annimmt und die Ausgasung in Gang kommt, wird es Zeit für die Muldenfeuerung. Die Luftzufuhr wird nun stark gedrosselt und erfolgt nur noch über den Abzug. Die Brenndauer im Kamin erhöht sich dadurch um mehrere Stunden. Hierfür ist es entscheidend, dass genügend Restasche vorhanden ist. Sie umhüllt das Brennholz mit einer Glutschicht und trägt maßgeblich zum Wirkungsgrad der Anlagen bei. Die deutsche Gründlichkeit wirkt sich in diesem Falle nachteilig aus, weil der Ofen hierzulande nach fast jedem Einsatz einer ausgiebigen Reinigung unterzogen wird.

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Die Frage nach Muldenfeuerung oder Rostfeuerung erscheint somit beinahe obsolet, weil ein modernes Heizsystem nur mit beiden Komponenten optimal agieren kann. Der Kamin wird heutzutage aber auch für andere Zwecke (u.a. Kochen und Warmwasserbereitung) eingesetzt. Daher musste die Branche neben Alleskönnern eine Vielzahl an Modellen entwickeln, die ausschließlich Muldenfeuerung oder Rostfeuerung anwenden. Die nun folgenden Praxisbeispiele verdeutlichen den Aspekt.

Teamplayer für Alt- und Neubauten

Effizienz steht beim Buderus Kaminofen Logastyle 20W besonders hoch im Kurs. Die bei ihm angewendete Rostfeuerung dient nur zu 30% zum Heizen, während der Löwenanteil der Leistung dem Warmwasserbedarf zugutekommt. Der integrierte Thermoregler drosselt die Luftzufuhr herunter, sobald die Wassertemperatur 60 °C übersteigt. In Kombination mit der automatischen Steuerung Logasol und dem hydraulischen Pufferspeicher KSRR3 wird zudem der Einsatz einer Hocheffizienzpumpe ermöglicht. Diese Komponenten müssen zusätzlich erworben werden, erhöhen also zunächst den Kostenfaktor.

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Doch spart man mit dem Buderus Kaminofen auf lange Sicht Heizkosten ein und erhält das erste Element für die autonome Energieversorgung. Sie wird in Niedrigenergiehäusern benötigt, in denen keine fossilen Energieträger mehr zur Anwendung gelangen sollen. Die Bauweise zeichnet sich durch eine besonders kompakt ausgeführte Wärmedämmung aus und wird von staatlicher Seite mit Fördermitteln bedacht. Als primäre Wärmequelle wird zumeist die wartungsarme Solarthermie angestrebt, welche ein Back-up-System benötigt, sobald die Außentemperaturen unter -10 °C fallen.

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Hier greift der Logastyle ins Spiel ein und ersetzt damit herkömmliche Gas- und Ölkessel. Er eignet sich jedoch ebenso dafür, jene konventionellen Techniken in Altbauten zu unterstützen. Dort sind die Rollen vertauscht und der Kamin ist ganzjährig in Betrieb, während Öl und Gas nur die Lastspitzen abdecken. Hierbei ist es unerheblich, ob Muldenfeuerung oder Rostfeuerung zur Anwendung gelangen, weil die zentrale Steuerung beim Heizen ohnehin Mittelwerte anvisieren wird.

Wer einen Kaminofen in Niedrigenergiehäusern nutzen möchte, sollte aber definitiv auf die kurzfristig zuschaltbare Rostfeuerung setzen.

Der Kompakte

Das Modell mit dem Produktnamen Logaflame verfolgt indessen den ganzheitlichen Ansatz: Trinkwasser und Heizung werden zu jeweils 50 % aus der Muldenfeuerung gespeist. Dank dem ausgeklügelten Filtersystem in der Abluftvorrichtung ist gewährleistet, dass der Buderus Kaminofen annähernd CO2-neutral operiert. Dies ist für einige staatliche Förderprogramme von Belang und spricht natürlich auch umweltbewusste Eigenheimbesitzer an. Bei erhöhtem Energiebedarf kann man den Logaflame auch mit Braunkohle betreiben.

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Der entscheidende Unterschied zum Logastyle verbirgt sich in der Ausstattung: Der Heizeinsatz für die Muldenfeuerung lässt sich mit wenigen Handgriffen entfernen und durch Rostfeuerung ersetzen. Das ist in Familienhaushalten vor allem bei Minusgraden von Vorteil, wenn viel warmes Wasser in kurzer Zeit benötigt wird. Für den reibungslosen Betrieb bedarf es hier ebenfalls eines externen Pufferspeichers, der die Grundvoraussetzung darstellt, um den Kaminofen mit regenerativen Energiequellen zu kombinieren.

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Das Modell ist vor allem bei Bestandskunden von Buderus beliebt, weil die Abmessungen des Logaflame mit denen älterer Kamine identisch sind. Somit erfordert der Austausch keine baulichen Veränderungen. Aufgrund der niedrigen Schadstoffemissionen können multiple Kamine am selben Schornstein angeschlossen werden, sodass sich der Logaflame auch für den Einsatz in Mehrfamilienhäusern eignet. Dieses Modell erweist sich Endeffekt also als anpassungsfähige Alternative zu hochspezialisierten Geräten wie dem Logastyle.

Pelletöfen auf dem Vormarsch

Unabhängig davon, ob Muldenfeuerung oder Rostfeuerung verwendet wird, weisen Kamine einen wesentlichen Nachteil auf: Sie sind äußerst pflegeintensiv. Der Umstand schreckt viele interessierte Eigenheimbesitzer ab, sodass dann häufig doch wieder konventionelle Anlagen genutzt werden. Wer den Charme des Kaminfeuers mit wenig Aufwand produzieren möchte, greift daher zu einem der modernen Pelletöfen.

In ihnen verbrennen kleine Holzstäbchen, die aus gepressten Spänen und Kunstharz bestehen. Die Brennkammer wird hierbei automatisch befüllt und ist in den meisten Fällen selbstreinigend konstruiert.

Äußerlich gleichen sie einem Kaminofen mit Muldenfeuerung, weisen also ein kontinuierliches Flammenbild in geringer Höhe auf. Ohne Nachteile ist die Technik allerdings nicht: Die Pellets können nur in großen Stückzahlen geordert und müssen vor Ort gelagert werden. Es ist üblich, direkt den ganzen Jahresvorrat anliefern zu lassen, der ein Volumen von mehreren Kubikmetern aufweisen kann.

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Dem erfolgreichen Comeback des klassischen Kamins steht damit nichts mehr im Wege. Er wird dennoch ein Nischenelement der Energieversorgung bleiben, weil das primäre Ziel der Forstwirtschaft darin besteht, CO2-Emissionen aus der Luft zu filtern und langfristig zu speichern. Daher müsste Brennholz in erheblichem Maße importiert werden, wenn der Wohnraum wieder überwiegend hiermit geheizt würde. Eine derartige Entwicklung wäre Umweltaktivisten ebenso ein Dorn im Auge wie die gegenwärtige Verfahrensweise, die Holz als Energiequelle für die Stromerzeugung zulässt.