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Schwerlastdübel – Kraftvolle Befestigung in vielen Bereichen

Bei der Befestigung besonders schwerer oder dynamischer Lasten (z. B. einer Schaukel) kommt man mit herkömmlichen Kunststoffdübeln nicht weiter. Eine Alternative bieten Schwerlastanker, die oft auch als Schwerlastdübel bezeichnet werden. Wir erklären, worauf bei der Auswahl und Montage zu achten ist.

Schwerlastdübel – Funktionsweise und Anwendungsbereiche

Schwerlastanker funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip wie herkömmliche Dübel. Sie spreizen sich in einem Loch im Mauerwerk und werden dadurch festgeklemmt (Reib – bzw. Kraftschluss). Der größte Unterschied besteht darin, dass bei einem Schwerlastdübel keine verformbaren Kunststoffteile zum Einsatz kommen, sondern eine mechanische Konstruktion aus Metall. Dadurch lässt sich der Schwerlastanker mit einem weitaus größeren Drehmoment festziehen und kann anschließend sehr hohe Lasten aufnehmen.

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Die genaue Konstruktion unterscheidet sich je nach Ausführung. Bei einem Bolzenanker wird eine geschlitzte Hülse aus Metall durch einen Kegel gespreizt, der beim Anziehen der Mutter in die Hülse gezogen wird. Andere Bauarten können in einigen Details abweichen und z. B. durch das Eindrehen einer Schraube oder eines Innengewindebolzens gespannt werden.

Schwerlastdübel kommen immer dann zum Einsatz, wenn besonders schwere Gegenstände an Wänden und Decken befestigt werden müssen oder aus Sicherheitsgründen eine sehr hohe Tragkraft gefordert ist. Neben schweren Möbelstücken, Vordächern und ähnlichen Konstruktionen kann dies z. B. auch bei Schaukeln, Kletterwänden und ähnlichen Spielgeräten der Fall sein.

Sicherheitshinweise für Auswahl und Planung

Schwerlastanker werden zur Befestigung schwerer und/oder sicherheitskritischer Objekte eingesetzt, die beim Herabfallen schwere Verletzungen und Sachschäden verursachen können. Die fachgerechte Planung und Realisierung der Befestigung ist somit von besonderer Bedeutung. Bei der Wahl des Dübels muss zwingend auf die ETA-Zulassung (European Technical Approval) geachtet werden. Diese enthält nicht nur Angaben zur Belastbarkeit, sondern auch Informationen zur korrekten Montage. Die meisten seriösen Hersteller stellen die entsprechenden Dokumente online zur Verfügung.

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Aufgrund des vom Schwerlastanker aufgebauten Spreizdrucks und der hohen aufzunehmenden Kräfte muss das Mauerwerk eine ausreichende Festigung aufweisen. Porenbeton und ähnliche Arten von Baustoffen scheiden somit aus. Bei der Montage in Mauern aus Ziegelstein sollte darauf geachtet werden, den Dübel in den Ziegel und nicht in den Mörtel zu setzen. Auch die Randabstände müssen unbedingt eingehalten werden. Genaue Angaben zum zulässigen Untergrund sind in der ETA-Dokumentation enthalten.

© Matthias Buehner / Fotolia.com
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Sollen sehr schwere Lasten (z. B. Vordächer) befestigt werden, spielt nicht nur die lokale Festigkeit des Baustoffes eine Rolle, sondern auch die statische Tragfähigkeit des gesamten Bauteils. Für solche Vorhaben muss deswegen immer eine fachkundige Person – z. B. ein Statiker, Architekt oder Handwerksbetrieb – konsultiert werden.

Wie werden Schwerlastdübel montiert?

Das Setzen von Schwerlastankern erfolgt ähnlich wie bei herkömmlichen Dübeln, allerdings sind die Anforderungen an die Präzision sehr viel höher. Bei Verwendung von zwei oder mehr Dübeln für ein Bauteil müssen die Bohrlochabstände sehr genau eingehalten werden, da Schwerlastanker nach dem Setzen kein Spiel haben. Wenn der Durchmesser der Bohrungen passt (z. B. bei der Durchsteckmontage), sollte das zu befestigende Objekt als Bohrschablone genutzt werden. Auch auf den geraden, rechtwinkligen Verlauf der Bohrung ist unbedingt zu achten. Wenn die Verwendung des Objekts als Bohrschablone nicht möglich ist, lässt sich das z. B. durch Einsatz eines mobilen Bohrständers sicherstellen.

Um auch den Durchmesser der Bohrung exakt zu halten, sollte ein hochwertiger, scharfer Bohrer genutzt und vorsichtig gebohrt werden. Die Bohrtiefe ist weniger wichtig, muss aber auf jeden Fall ausreichend sein, da sich ein eingeschlagener Schwerlastdübel in der Regel nur schwer wieder entfernen lässt. Ein Nachbohren wäre also sehr schwierig. Es empfiehlt sich, ein Stück tiefer zu bohren, als nötig, um Spielraum für ein späteres Versenken des Dübels in die Wand zu haben (mehr dazu weiter unten).

© Jürgen Fälchle / Fotolia.com
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Nach dem Bohren wird das Bohrloch sorgfältig gesäubert. Dies kann mechanisch, durch Aussaugen oder durch Ausblasen mit Druckluft erfolgen. Auch hier muss man sehr sorgfältig vorgehen, da der Dübel durch im Loch verbliebenes Bohrmehl verhaken kann. Der Schwerlastanker wird anschließend in die Wand eingeschlagen. Die nötige Tiefe geht aus den Herstellerangaben hervor und kann auf dem Dübel markiert sein. Bei der Durchsteckmontage ist sie meistens dann erreicht, wenn die Mutter bzw. der Schraubenkopf am Werkstück anschlagen.

fischer-setzwerkzeug-fuer-fh-ii-i-hochleistungsankerBei der Vorsteckmontage muss die Mutter abgeschraubt werden, bevor das Objekt auf den Dübel gesetzt wird. Um eine Beschädigung des Gewindes zu vermeiden, wenn beim Setzen direkt darauf geschlagen wird, sollten Hilfsmittel (z. B. ein Setzwerkzeug oder ein Metallstück als Unterlage) verwendet werden.

Nach dem Einschlagen des Dübels und Anbringen des zu befestigen Objekts wird die Schraube bzw. Mutter festgezogen. Bei besonders tragfähigen Befestigungen nutzt man dazu einen Drehmomentschlüssel, um ein definiertes Anzugsmoment zu erreichen. Der Schwerlastdübel ist nun sicher gesetzt.

Dübel richtig wählen

fischer-bolzenanker-faz-ii-k-und-k-gs-galvanisch-verzinktAus Sicherheitsgründen empfiehlt es sich, ausschließlich Schwerlastdübel namhafter Hersteller zu kaufen. Zu den bekanntesten Anbietern zählt beispielsweise natürlich das Unternehmen Fischer, das ein sehr breites Sortiment im Bereich Befestigungstechnik bietet.

Für Standardanwendungen kommt z. B. der Bolzenanker Fischer FAZ II infrage. Er ist in verschiedenen Durchmessern und in je zwei Längen (standard und reduziert) erhältlich. Eine galvanische Verzinkung sorgt für Korrosionsschutz. Der Bolzenanker ist für verschiedene Betonarten (ab C20/25 auch für gerissenen Beton) und Naturstein zugelassen und für die Durchsteck-, Vorsteck- und Abstandsmontage geeignet. Das Spannen erfolgt durch Festziehen der Mutter.

Eine komfortable und sehr belastbare Alternative bietet der Hochleistungsanker Fischer FH II-I. Er wird mittels eines Innengewindebolzens gespannt, der mit einem Sechskantschlüssel angezogen wird. Der Clou: Beim Spannvorgang wird der Innengewindebolzen in das Bohrloch gezogen. Das Erreichen des korrekten Drehmoments ist somit visuell erkennbar, wodurch auf einen Drehmomentschlüssel verzichtet werden kann.

Zudem gehört dieser Schwerlastanker zu den wenigen Modellen, die sich ohne größere Schwierigkeiten entfernen und wiederverwenden lassen. Das zu befestigende Objekt wird mit einer Gewindeschraube am fertig gespannten Schwerlastdübel befestigt. Er eignet sich somit nur für die Vorsteckmontage.

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Entfernung eines Schwerlastankers

Bis auf wenige Ausnahmen sind Schwerlastdübel nicht dazu gedacht, nach dem Setzen wieder entfernt zu werden. Um die korrekte Funktion sicherzustellen, haben einige Modelle (z. B. die Bolzenanker von Fischer) Widerhaken am Spreizclip. Dies erschwert das Herausziehen erheblich. Manchmal ist das Lösen dennoch möglich, indem der Spreizmechanismus entspannt wird. Bei einem Bolzenanker erfolgt das durch Lösen der Mutter und vorsichtiges Einschlagen der Gewindestange. Anschließend kann versucht werden, den Dübel mit viel Kraft (Werkzeuge mit Hebelwirkung verwenden) und ggf. unter Rütteln herauszuziehen. Zu viel Kraft sollte man dabei allerdings nicht einsetzen – sonst bricht im ungünstigsten Fall ein Stück aus der Mauer heraus.

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Wenn alle Entfernungsversuche fehlschlagen, bleibt nur noch das Versenken in der Wand. Dazu wird der Schwerlastanker bündig abgesägt oder abgeflext (umliegenden Bereich großflächig abdecken, um den entstehenden Schleifstaub aufzufangen) und das verbliebene Stück weiter in die Wand eingeschlagen oder ein Stück weit ausgebohrt (im Prinzip ist auch das vollständige Ausbohren möglich). Anschließend trägt man ein Rostschutzmittel auf das Metall auf, um das Entstehen von Rostflecken an der Wand zu vermeiden. Schließlich kann das Loch z. B. mit Spachtel verfüllt und überstrichen werden.