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Richtig Heizen im Winter : Stosslüften
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Richtig heizen im Winter

«Optimales Raumklima bei reduzierten Heizkosten»

Änderungen im Energieverbrauch und Nachhaltigkeit gehören aktuell zu den beherrschenden Themen gesellschaftlicher Debatten. So bildet zurzeit auch in Deutschland die Suche nach der idealen Heizungsanlage die Grundlage hitziger Diskussionen. Dabei scheint jeder Bürger seine eigene Strategie entwickelt zu haben, um richtig zu heizen. Dann wollen wir doch mal prüfen, welche davon auch für größere Bevölkerungsteile in Frage kommen.

Erster Schritt: Grundregeln für richtiges Heizen beachten

Zunächst müssen die unveränderlichen Parameter ermittelt werden, die sich beim Heizen unmöglich umgehen lassen. Wohlfühlklima lautet dabei das erste Stichwort. So muss im Wohnbereich nicht zwingend 25°C Raumtemperatur herrschen. Im Bad mag sie nicht gänzlich verkehrt sein, da man sich hier meist etwas leichter bekleidet aufhält. Ansonsten kann man jedoch erhebliche Energiekosten einsparen, wenn man die Heizung im Rest der Wohnung so weit herunterdreht, dass maximal 20 Grad erzielt werden. Schließlich steigt der Energieverbrauch mit jedem zusätzlichen Grad um etwa 6 Prozent. In unbenutzten Räumen darf der Thermostat daher auch gerne auf der niedrigsten Stufe arretiert werden.

Füße gemütlich auf der Heizung - richtig Heizen im Winter ist einfach wenn man ein paar Dinge beachtet
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Richtig heizen im Winter bedeutet demnach vor allem, das rechte Maß einzuhalten. Anderseits gilt es darauf zu achten, die Wohnung nicht zu stark auskühlen zu lassen. So steigt das Schimmelrisiko rasant an, wenn die Temperaturen dauerhaft unter 15 °C fallen.

Anschließend stellt sich die Frage, wann der rechte Zeitpunkt zum Heizen gekommen ist. Hierbei lassen sich viele Deutsche von Kindheits-Erinnerungen irreführen und nutzen die Heizung noch immer von Oktober bis April. Die durchschnittlichen Temperaturen im Winter sind in den letzten 15 Jahren jedoch deutlich angestiegen und erreichen speziell in Ballungsgebieten nur noch selten tiefe Minusgrade. Damit hat sich der Kern der Heizperiode auf den Zeitraum von Dezember bis Februar verschoben, wenngleich hierbei natürlich noch lokale Begebenheiten und die jeweils aktuelle Wetterlage zu berücksichtigen sind. Darauf aufbauend, folgen nun konkrete Tipps zum Energiesparen. Zum besseren Verständnis sei angemerkt, dass sie sich noch auf klassische Heizkörper und Anlagen beziehen, deren durchschnittliche Lebensdauer schließlich 30 Jahre beträgt. Demnach füllen sie bis heute die Mehrzahl der deutschen Wohngebäude. Im zweiten Teil unseres Berichts folgen dann Erörterungen zum Heizsystem des frühen und fortgeschrittenen 21. Jahrhunderts.

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Vorkehrungen mit indirekter Auswirkung auf die Heizkosten

Die Zielsetzung richtig heizen im Winter beschränkt sich nicht auf technische Inhalte. So können simple Maßnahmen im Wohnumfeld und das Verhalten der Bewohner bereits zuvor einen messbaren Beitrag zum schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und dem Absenken der Heizkosten leisten.

Wärmeverluste minimieren

Handelsübliche Fenster erzielen nicht die hohe Isolationswirkung von festem Mauerwerk. Daher gilt es nach Einbruch der Dunkelheit darauf zu achten, die Rollläden zügig herunterzulassen. Inzwischen sind aber auch Fenster mit Doppel- oder gleich Dreifachverglasung im Handel erhältlich, die die Heizkosten um bis zu 20% reduzieren.

Sparsam lüften

Richtig heizen fängt bei der Luftzufuhr an: Gekippte Fenster lassen nur wenig Frischluft in die Wohnung und kühlen die Wände unangenehm aus. Stattdessen sollte man die Wohnung auch im Winter drei- bis viermal täglich ordentlich stoßlüften. Das genügt völlig, um die Luftfeuchtigkeit in den Räumen im Wohlfühlbereich zu stabilisieren. Vor dem Lüften muss man aber selbstredend daran denken, die Heizung abzustellen.

Dichtungen im Auge behalten

In den Dichtungen an Fenstern und Türen befinden sich zum Teil natürliche Inhaltsstoffe, die nach wenigen Jahren porös werden. Aufgrund starker Temperaturunterschiede kontrahieren und entspannen sie fortwährend. Die Dichtungen werden dadurch zunehmend durchlässiger. Im Abstand von zwei Jahren sollte man sie daher gründlich in Augenschein nehmen und bei Bedarf mit Dichtungsband nachbessern, das man für kleines Geld in jedem Baumarkt erhält.

Fenster wird neu mit Silikon abgedichtet
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Angemessene Kleidung wählen

Wenn der Winter sich mal wieder von seiner frostigen Seite zeigt, darf man sich auch in Innenräumen durchaus etwas wärmer kleiden. So greifen viele Bundesbürger nun gerne zu einem zweiten Paar Socken und legen auch nicht immer sofort den Pulli ab, wenn sie ihr Domizil erreichen. Zudem ist es auf Dauer gesundheitsschädlich, den Körper ständig der Differenz zwischen stark geheizten Zimmern und den eiskalten Außentemperaturen auszusetzen.

Frau sitzt auf Sofa mit Extra Strickpullover
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Maßnahmen an der Heizungsanlage

Trotz alledem bedeutet richtig heizen im Winter in erster Linie, die Anlage korrekt einzustellen und zu justieren. Welche Überraschungen mögen hier wohl lauern?

Heizung dämmen

2002 traten EU-Richtlinien in Kraft, dank derer Wohngebäude sehr gut von der Umwelt isoliert werden. In Altbauten sind die Wände aber noch recht durchlässig. Aus dem Grund muss man zwar seltener lüften, hat aber beträchtliche Wärmeverluste in Kauf zu nehmen und muss intensiver heizen. Wer direkt hinterm Heizkörper aluminiumbeschichtetes Dämmmaterial anbringt, schwächt den Effekt ab und senkt die jährlichen Energiekosten erneut um ein paar Prozentpunkte.

Richtig Heizen im Winter kann man auch durch richtiges Dämmen erreichen, hier hinter einer Heizung
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Freiraum gewähren

Die Konvektorentechnik basiert auf fortwährender Luftzirkulation: Kühle Luft dringt in Bodennähe in die Heizung ein, durchquert sie und tritt an den Lüftungsschlitzen wieder aus. In einem Umkreis von 50 Zentimetern sollten daher keine Möbelstücke platziert werden. So staut sich die Wärme letztlich und es wird mehr Energie zum Heizen benötigt.

Passende Einstellungen wählen

Der menschliche Organismus hat sich dem 24-Stunden-Rythmus unseres Planten perfekt angepasst. Daher bedarf es einer gewissen Differenz zwischen Tages- und Nachttemperaturen, damit wir uns richtig wohlfühlen. Die Heizung sollte demnach am Tage auf 18 bis 20 Grad eingestellt und während der Arbeits- sowie zur Schlafenszeit um bis zu vier Grad abgesenkt werden. Unbenutzte Räume sind mit maximal 12 Grad oder nur sporadisch zu heizen.

Richtig Heizen : Die Temperatur sollte zwischen 15 und 20 Grad liegen
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Regelmäßig entlüften

Selbst gut gewartete Heizkörper sind niemals vollständig luftdicht. Auch im Heizungswasser selbst befinden sich Gase. So steigt der Druck in den Rohren und man kann nicht mehr richtig heizen. Daher sollte man die Anlage mindestens einmal pro Winter fachgerecht entlüften oder selbsttätige Entlüfter installieren.

Entüften einer Heizung - Teil des richtigen Heizens im WInter
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Einzug der Moderne

Damit verlassen wir nun die Welt der klassischen Heizsysteme und tauchen in die Gegenwart ein. Hier konkurrieren gleich mehrere Produkte um die Gunst der Bürger. Das betrifft zunächst die Wärmepumpe, die der Wohnung Energie zuführt, indem sie sie der Umwelt entzieht. Dies kann durch Geothermie, Luft-Luft-Prozesse oder dem Anzapfen des Grundwassers geschehen. Alle Bauarten haben ihre Vor- und Nachteile, wobei Erdpumpen die höchsten Investitionskosten verursachen, aber auch die größten Energiemengen generieren. Die Fußbodenheizung gilt als ideale Ergänzung dazu, weil sie schon ab einer Wassertemperatur von 20 Grad ausreichend Wärme produziert. Klassische Heizkörper benötigten stattdessen noch eine minimale Vorlauftemperatur von 65 °C, um die Wohnung zu heizen. Auch aus diesem Grund wurden sie bei Neubauprojekten mittlerweile von der energiesparenden Fußbodenheizung als Standardlösung ersetzt.

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Das Heizsystem der Gegenwart speist sich demnach ausschließlich aus regenerativen Energiequellen und überzeugt auf umwelttechnischer Ebene auf ganzer Linie. Mit einer kleinen Einschränkung: Wenn der Winter sich mal wieder von seiner unbarmherzigen Seite präsentiert und Außentemperaturen unter -15 °C hervorbringt, gelangt auch die leistungsstärkste Wärmepumpe an ihre Grenze. In dem Falle muss sie noch von elektrischen Heizstäben unterstützt werden, die man idealerweise mit Solarstrom betreibt, um nicht erneut auf fossile Energieträger angewiesen sein zu müssen. In dieser Zusammensetzung ist das Heizsystem schon heute voll konkurrenzfähig, aber eben auch sehr kostspielig in der Anschaffung.

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Gerade in Bestandsbauten bietet sich daher der gute, alte Kamin als günstige und umweltbewusste Alternative an. Zwar finden hier ebenfalls Verbrennungsprozesse statt, allerdings nur mit nachwachsenden Rohstoffen, sodass zumindest Klimaneutralität erzielt wird. In der modernen Variante, dem Holz- bzw. Pelletofen, ist die Energieausbeute durch gut isolierte Brennkammern und die Anbindung an den Warmwasserkreislauf zudem noch einmal deutlich erhöht worden.

Brennstoffzellen als Heizsystem

Ebenfalls auf dem Vormarsch sind Brennstoffzellenheizungen. Sie werden mit Wasserstoff betrieben und funktionieren ähnlich wie Batterien. So werden hier Wasser- und Sauerstoffatome ebenfalls von einer Sperrschicht getrennt, um ihr Ausgleichsbestreben unter kontrollierten Bedingungen zu nutzen. Im Laufe des Prozesses werden elektrischer Strom und Wärme freigesetzt, weshalb er auch als „kalte Verbrennung“ bezeichnet wird. Die Technologie wird auch für die Verwendung in anderen Bereichen getestet und soll ab 2050 unseren Alltag prägen, etwa auch in Automobilen Anwendung finden. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat im Rahmen des Klimaschutzprogramms 2030 bereits weitere Gelder zur Verfügung gestellt, um eine realistische Wasserstoffstrategie zu entwerfen.